Deutsche Gesellschaft für Pastoralpsychologie e.V.

Supervision pastoralpsychologisch

Désirée Binder
Einzel-Supervision
Als an systemischer Theorie und Praxis orientierter Supervisorin ist für mich eine grundlegende Haltung des Respekts gegenüber dem Unverfügbaren zentral. ...

1. Was bedeutet für mich pastoralpsychologische Supervision?

Als an systemischer Theorie und Praxis orientierter Supervisorin ist für mich eine grundlegende Haltung des Respekts gegenüber dem Unverfügbaren zentral. Diese zunächst sehr abstrakt klingende Aussage hat weitreichende Folgen für den Umgang in der Supervision mit menschlicher – hier fokussiert auf professioneller – Erfahrung und schließt für mich selbstverständlich auch die religiöse (pastorale) neben der psychologischen und anderer Dimensionen als Heuristik der Weltdeutung meiner Supervisand*innen und meiner selbst mit ein.

2. Wie nutze ich meine pastoralpsychologische Zusatzqualifikation, wenn ich in meinem Arbeitsfeld supervisorisch tätig werde?

Vermutlich zu einem großen Teil ständig, auch ohne mir dessen bewusst zu sein. Davon ausgehend, dass ich keinen unmittelbaren Zugang zum Erleben meines Gegenüber habe, über dessen/deren Wirklichkeitswahrnehmung  und Einflussnahme auf dieselbe also nichts objektiv wissen kann, nutze ich das reiche Repertoire des Fragens nach allen Regeln der (systemischen) Kunst. Ich sehe meine Chance in der Außenperspektive und meine Aufgabe im Einspielen aller möglichen Impulse, die Bewegung  in ungünstig festgefahrene Denk- Fühl- und Verhaltensmuster im beruflichen und persönlichen Kontext bringen. Dazu gehören durchaus auch Schätze aus der christlichen Tradition.

3. Worin besteht für mich die Schnittmenge in der Supervision zwischen meinem theologischen und meinem sektionsspezifischen pastoralpsychologischen Ansatz?

Und wiederum die Unverfügbarkeit: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Knechtschaft geführt hat … Du sollst dir kein Bild machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden …ist! (Ex. 2,20). Hier begegnen sich für mich Theologie und systemisch-pastoralpsychologische Supervision in ihrer schönsten und herausforderndsten Gestalt: Vertrauensvolle Begegnung wagen, Kommunikation und Beziehung stärken, ohne Netz und doppelten Boden – oder mit den Worten von Hilde Domin: ‚Ich setzte meinen Fuß in die Luft, und sie trug‘.

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Gertraude Kühnle-Hahn
Leitungs-Supervision
Leitungs-Supervision praktiziere ich seit vielen Jahren schwerpunktmäßig für Dekan*innen. ...

Leitungs-Supervision praktiziere ich seit vielen Jahren schwerpunktmäßig für Dekan*innen. Dies geschieht in verschiedenen Formaten, in Einzel-Supervision, Gruppen-Supervision und in einem jährlichen Kursangebot mit dem Thema“ Das Leitungsamt zwischen Dienstaufsicht und Seelsorge“, in dem mit Elementen aus KSA-Kursen gearbeitet wird.

1. Was bedeutet in diesem Bereich für mich pastoralpsychologische Supervision?

Zunächst ist für mich meine innere Haltung wichtig, dass Supervision (wie auch Seelsorge) coram Deo geschieht. Ich brauche das nicht zu benennen, aber diese Gewissheit trägt mich. Ich bin Geschöpf wie mein Gegenüber, mit Gaben und Grenzen, auch Grenzen in der Wahrnehmung. 1. Korinther 12,13 ist mir dabei ein wichtiges Leitwort: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
Das Bewusstsein für das Bruchstückhafte des Lebens entlastet mich selbst und dies möchte ich auch in der Supervision vermitteln. Damit einher geht eine Grundhaltung der Akzeptanz. Ich erlebe in der Supervision mit Leitungspersonen, wie groß ihr Bedürfnis ist, gerade dies ganz schlicht zu erfahren: Akzeptanz und Entlastung. Kirchliche Leitungsämter sind in hohem Maß geprägt vom Machen, Planen und Strukturieren. Wer sie inne hat, wird nicht selten zum Adressaten, bei dem sämtliche Kritik und Unzufriedenheit mit kirchlichen Zuständen landet.

2. Wie nutze ich meine pastoralpsychologische Zusatzqualifikation, wenn ich in der Leitungs-Supervision tätig werde?

Meine pastoralpsychologische Zusatzqualifikation hilft mir besonders in ganz konkreten Fragestellungen. In den Supervisionen geht es häufig um Rollenunklarheiten und -vermischungen. Leitungspersonen müssen als Dienstvorgesetzte handeln und nicht selten unliebsame Entscheidungen treffen und umsetzen. Gleichzeitig schlägt in ihrer Brust immer auch das Herz des Seelsorgers/ der Seelsorgerin. Und es begleitet sie der Wunsch, verstanden und akzeptiert zu werden. Manchmal ist schon eine Klärung der verschiedenen Rollen bzw. inneren Stimmen lösend. Auch das Unterscheiden der äußeren und inneren Erwartungen hilft weiter. Und ebenso das Reduzieren von zuweilen höchst komplexen Vorgängen auf ein/zwei wesentliche Punkte. Zuweilen reicht die schlichte Frage nach den eigenen Gefühlen, um aus der Erstarrung zu kommen.

3. Worin besteht für mich die Schnittmenge in der Supervision zwischen meinem theologischen und meinem sektionsspezifischen pastoralpsychologischen Ansatz?

Mein theologischer Ansatz, den ich unter 1. skizziert habe, ist mir wichtig, um in der Supervision mit Leitungspersonen nach ihrer Identität in ihrem Leitungsamt zu suchen, und zwar ausgehend von eigenen Erfahrungen, von Erfolgen und Mißerfolgen, nicht von Theorien zu Leitungsfragen. Die bekommen Dekan*innen in ihren Leitungstrainings zur Genüge. Aber das Leben spielt sich in den Niederungen des Konkreten ab.
Das Lernen in der Gruppe, das in meiner KSA-Sektion eine wichtige Rolle spielt, erlebe ich auch in der Leitungssupervision sehr unterstützend. Ich habe eine Supervisionsgruppe mit Dekanen, in der sich oft in bewegender Weise Luthers „per mutuum colloquium et consolationem fratrum“ ereignet. Da ist viel Offenheit, Ehrlichkeit und Bereitschaft, sich auch mit dem zu zeigen, was nicht gut läuft und belastet. Die Teilnehmenden können sich gegenseitig so viel an Rückmeldungen und Impulsen geben, dass ich mich als Supervisorin immer wieder auch zurücknehmen kann. Das ist eine wunderbare Erfahrung.

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Jochen Schlenker
Supervision mit Ehrenamtlichen(-Gruppen und -Teams)
Wenn Ehrenamtliche in Gruppen und Teams ganz unterschiedliche Perspektiven teilen und wertschätzen, …

1. Was bedeutet für mich pastoralpsychologische Supervision?

Wenn Ehrenamtliche in Gruppen und Teams ganz unterschiedliche Perspektiven teilen und wertschätzen, …
Wenn Ehrenamtliche sich selbst als Person im Blick auf ihre Kompetenzen und Grenzen erfahren und ihr ehrenamtliches Engagement entsprechend gestalten,….
Wenn Ehrenamtliche durch ihr Ehrenamt ihre Werte und ihr Lebensinn reflektieren und (wieder)finden, …
…dann hat sich in der Supervision das ereignet, wofür ich eine pastoralpsychologische Supervisionsausbildung gemacht habe. Denn ich wollte nicht vorrangig mit Methoden und Theorien arbeiten, sondern ich will mit einer Vielfalt von Weltsichten an der Beziehungsfähigkeit von Menschen arbeiten – und zwar an der Beziehung zu sich selbst, an den Beziehungen zu den Menschen, die ihnen in ihrem ehrenamtlichen Dienst begegnen, und an der Beziehung zu dem sinngebenden Grund in all diesem.

2. Wie nutze ich meine pastoralpsychologische Zusatzqualifikation, wenn ich in meinem Arbeitsfeld supervisorisch tätig werde?

Ich versuche in meiner supervisorischen Arbeit mit Ehrenamtliche ein konstruktives Arbeiten und Lernen zu ermöglichen, das von Wertschätzung getragen ist. Dazu ist es entscheidend, dass tragfähige Beziehungen zwischen mir und den Supervisand*innen und zwischen den Supervisand*innen unter sich entstehen. Das geschieht durch Selbsterfahrungselemente in den Supervisionen sowie durch Reflexion der Kommunikation und der Gruppendynamik. Nicht durch Zufall, sondern wohl durch meine pastoralpsychologische Zusatzqualifikation werde ich supervisorisch vor allem aus Bereichen der Hospizarbeit, der Suizidprävention, der Krisenintervention und der Notfallbegleitung angefragt. Das sind allesamt Bereiche ehrenamtlichen Engagements, in denen sich die Fragen nach dem Sinn und nach Gott immer wieder drängend stellen.

3. Worin besteht für mich die Schnittmenge zwischen meinem theologischen und meinem sektionsspezifischen pastoralpsychologischen Ansatz?

Der humanistischen Psychologie verbunden habe ich die KSA kennengelernt und ich fand darin mein theologisches Grundanliegen wieder, dass der Mensch von Gott gerechtfertigt, geliebt und befreit ist. Ich arbeite auf diesem Hintergrund so mit den Menschen, die ich supervisorisch begleite, dass sie ihre eigenen Potentiale entfalten können und sich mit dem auseinandersetzen, was sie unfrei macht – sei es in ihrer Person, in zwischenmenschlichen Beziehungen, in Organisationen oder in der Gesellschaft. So arbeite ich stets auch an der Person mit einem emanzipatorischen Fokus.
Darüber hinaus sind mir zwei meiner theologischen Herzensthemen, die Inkarnation und die Eschatologie, in der KSA wiederbegegnet: Gotteserfahrungen machen wir im Hier und Jetzt eines konkreten Tuns oder einer konkreten zwischenmenschlichen Begegnung. So kann Gott auch in der supervisorischen Reflexion und im Miteinander in der Supervision erlebbar werden. Und: Es gibt etwas, das unser Vollbringen und unser Scheitern überschreitet und überwindet, was in den Begriffen Sinn, Hoffnung, Trost, Werte oder Glaube gefasst wird. Auch das kann in pastoralpsychologischer Supervision bearbeitet und erlebt werden.

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Dr. Christian Bernreiter
Coaching
Für mich ist Supervision ein Beratungsformatt, das nicht nur die Handlungskompetenz weitet ...

1. Was bedeutet für mich pastoralpsychologische Supervision?

Bevor ich  etwas zur pastoralpsychologischen Supervision sage, erstmal etwas allgemeines. Für mich ist Supervision ein Beratungsformat, das nicht nur die Handlungskompetenz weitet und entfaltet, sondern auch die personale Kompetenz des Supervisanden fördert und dafür Raum gibt. Dieser Raum hat (k)einen Selbstzweck. Ich eröffne einen Raum zum Experimentieren, der als Vorbereitungsraum für die konkrete berufliche Praxis „draußen“ und für das konkrete Leben „im Leben“ angelegt ist. Das zentrale bei der pastoralpsychologischen Supervision ist, dass es eben nicht nur um das Einüben von Fertigkeiten geht, sondern um die Arbeit an allen Erlebnisbereichen der Menschen, also auch das spirituellen Erleben, und damit verbundene konkrete Handlungsstrategien der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Feld.
Auf der Grundlage eines werteorientierten Ansatzes und auf dem Fundament eines christlichen Menschenbildes verknüpfe ich die wissenschaftlich wirksamen Konzepte, der personzentrierten Gesprächspsychotherapie mit der systemischen Beratung. Wenn es um die Supervision von gesamten Organisationseinheiten oder Teams geht, dann finden Konzepte der Personal- und Organisationsentwicklung eine konkrete Anwendung.
Der Zusatz „pastoralpsychologisch“ bedeutet für mich, einerseits die Supervision im pastoralen Feld, mit all den „Glücksmomenten“, aber auch den Abgründen und Spannungen, die sich in der Arbeit mit Menschen in kirchlich sozialen Arbeitsfeldern ergeben. Andererseits sehe ich in der „pastoralpsychologischen“ Supervision ein große Ressource, die es zu heben, weiten und reflektieren gilt. Spirituelle Kraft und Ausstrahlung bestimmen die Zukunft der Kirchen, nicht nur Strukturveränderungen und Abarbeitung der Mängellisten, die andere verursacht haben und andauernd verursachen. Diese wertvolle Wirkkraft in den  Menschen gilt es freizulegen und den Blick dafür zu schärfen.
Dort, wo die Psychologie und die Medizin an ihre Grenze stößt, dort erweitert die pastoralpsychologische Supervision den Lebensrahmen. Hier kann der persönliche Glaube „Berge versetzen“ und eine Vision die notwendige  Kraft freisetzen, die es braucht, um die „Fleischtöpfe in Ägypten zu verlassen“, und sich auf den Weg zu machen, in „ein Land, in dem Milch und Honig fließen“. Gerade im Entfachen und Entwickeln von persönlichen Lebens-Leitbilder in der pastoralpsychologischen Supervision, wird die unermessliche Kraft und Energie in einem Menschen sichtbar, spürbar und hörbar – und damit ansteuerbar.

2. Wie nutze ich meine pastoralpsychologische Zusatzqualifikation, wenn ich in meinem Arbeitsfeld supervisorisch tätig werde?

Als Zusatzqualifikation sehe ich bei mir den personzentrierten Ansatz und die systemische Beratung. Das heißt, einerseits den Menschen als „Homo Ludens“ (Individuum) und andererseits den „Homo socialis“ (System). Beide Bereiche sind für den pastoralpsychologischen Ansatz von Bedeutung. Der Mensch an sich und der Mensch eingebunden in ein soziales Umfeld und Miteinander. Das heißt, sowohl die „Selbstverwirklichung unter den Augen Gottes“, als auch das Aufgehen in einer Idee der Gemeinschaft.
Im personzentrierten Ansatz steht das persönliche Erle¬ben und die Sichtweise des Einzelnen im Mittelpunkt. Dieser Ansatz erschafft ein Klima für Wachstum, in dem Lernprozesse und Reflexion möglich und wahrscheinlich werden. Dies fördert und ermöglicht die Auseinandersetzung mit Konflikten, Fehlern und Kritik und führt den Menschen oder die Gruppe letztlich an die eigenen Stärken und Ressourcen, bis hin zu einer Lösung – falls erforderlich.
Die systemische Beratung im pastoralpsychologischen Feld wirkt anders. Die Wirkmechanik von Systemen wird aufgezeigt und erlebbar gemacht. Die mächtigen Wechselwirkung z.B. zwischen Rolle/Amt und Person werden sichtbar gemacht. „Nicht wir sprechen die Sprache, sondern die Sprache spricht uns.“ Als Pastoralpsychologe habe ich dafür ein Ohr.

3. Worin besteht für mich die Schnittmenge in der Supervision zwischen meinem theologischen und meinem sektionsspezifischen pastoralpsychologischen Ansatz?

Als Theologe in der Beratung prägt mich die unbedingte Wertschätzung für den anderen. Die Annahme der Andersartigkeit des Anderen bleibt nicht folgenlos. Weder bei mir, noch beim Anderen. Das Praktizieren der unbedingten Annahme verändert das Gegenüber genauso unweigerlich wie mich, -  als Mensch. Dabeizusein, wenn der Andere mutig und zäh darum ringt „er selbst“ zu werden, verändert nicht nur den Supervisanden. Dieser Kraft im Werden kann ich mich nicht entziehen. Ein Berufsrisiko, das eigene Veränderung nicht ausschließt.  
Als externer Berater und Supervisor, der nicht im System der Kirchen angestellt ist, bewege ich mich frei im Feld der Theologie und der sozial kirchlich caritativen Handlungsfelder. Es steht der professionelle Einsatz von gelerntem Handwerk mit psychologischen Wirkkomponenten im Vordergrund. Ziel ist es, die Akzeptanz der Realität von Menschsein und Welt zu erhöhen, und die Grenzen des eigenen Machbaren annehmen zu lernen.
Über allem steht das „Werden“ von Individuen und Systemen unter den Augen Gottes. Luther hat das trefflich zusammengefasst:
„Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden,
nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden,
nicht ein Sein, sondern ein Werden,
nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.
Wir sind´s noch nicht, wir werden´s aber.
Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang.
Es ist nicht das Ende, aber es ist der Weg.
Es glüht und glänzt noch nicht alles, es reinigt sich aber alles.“

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