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GPP

 

Sektion Gestalttherapeutische Seelsorge und Psychodrama in der pastoralen Arbeit (GPP)

Standards des Verfahrens „Gestalttherapeutische Seelsorge und Supervison“

1. Selbstverständnis der Sektion und Mitgliedschaft 

Gestaltseelsorge und Psychodrama, zwei exponierte Verfahren im Bereich der Humanistischen Psychologie, haben, bei aller Unterschiedlichkeit im einzelnen, Gemeinsamkeiten für das Wertesystem, für das sie einstehen:
- Achtung vor dem Menschen und seiner individuellen Entwicklung 
- Förderung der Beziehungsfähigkeit 
- Förderung individueller und sozialer Verantwortung 
Beide Verfahren wirken seit langem auf vielfältige Weise in die kirchliche Fort- und Weiterbildung hinein. 
Die Verbindung von Psychologie und Theologie wird als reizvolle und notwendige Herausforderung angesehen. Ziel ist es, zwischen Entwicklung und Begrenzung zu einer persönlichkeitsspezifischen Lebens- und Glaubensgestalt zu finden, sowie eine seelsorgliche und pastoralpsychologische Identität und Professionalität zu ermöglichen.
Die Mitglieder der Sektion sind in kirchlichen, religionspädagogischen und diakonischen Handlungsfeldern sowie an Weiterbildungsinstituten oder Hochschulen tätig. Sie teilen das Interesse an pastoralpsychologischen Fragestellungen und pflegen den fachlichen Austausch.
Voraussetzung für den Erwerb der ordentlichen Mitgliedschaft in der Sektion ist ein abgeschlossenes theologisches oder religionspädagogisches Hochschulstudium (Äquivalente sind möglich) sowie eine abgeschlossene Weiterbildung im Bereich „Gestalttherapeutische Seelsorge“ oder „Psychodrama“.
Die außerordentliche Mitgliedschaft in der Sektion kann nach 240 Stunden Weiterbildung in den o.g. Verfahren erworben werden. 

2. Pastoralpsychologische Weiterbildungen in Gestalttherapeutischer Seelsorge, Supervision und Weiterbildungsleitung 

Zielgruppe für Weiterbildungen 

Angesprochen sind Menschen in pastoralen Arbeitsfeldern, wie PfarrerInnen, Priester, PastoralreferentInnen, DiakonInnen, ReligionspädagogInnen, GemeindereferentInnen, Ordensleute, sowie MitarbeiterInnen, die beruflich oder ehrenamtlich als SeelsorgerInnen in kirchlichen Beratungsstellen oder mit speziellem Auftrag z.B. in Kliniken, Schulen, Strafanstalten, Alteneinrichtungen arbeiten.

Zulassungsvoraussetzungen 

Die BewerberInnen sollen ein abgeschlossenes Studium (Universität, Fachhochschule) vorweisen können und möglichst über mindestens 2 Jahre einschlägige Berufserfahrung im kirchlich-diakonischen Arbeitsfeld verfügen.
Für die Zulassung zur Weiterbildung Supervision ist der Abschluss der Weiterbildung Gestalttherapeutische Seelsorge mit der Empfehlung der Leitung der Weiterbildungsgruppe erforderlich. Bei DGfP-fremder Leitung ist zusätzlich die Empfehlung der verfahrensspezifischen Mitglieder der Weiterbildungskommission nötig.

Ziele und inhaltliche Schwerpunkte der Weiterbildung 

Person, Lebenshintergrund und Seelsorgeverständnis 
Wichtigstes “Instrument” der Seelsorge sind die SeelsorgerInnen mit der eigenen Person. Wenn wir andere Menschen in den Spannungsfeldern des Lebens, in ihrer Lebenslust und Lebensangst, in ihren Krisen und Konflikten, in ihrem Neubeginn und Wandel seelsorglich begleiten, sind wir stets mit unserer ganzen Person gefordert. Wir müssen bewußt mit unseren eigenen Fähigkeiten und Grenzen sowie Ängsten umgehen können. Wir müssen zwischen Ich und Du, zwischen Mein und Dein unterscheiden können, damit wir nicht die eigenen ungelösten Probleme, unerfüllten Wünsche und Machtbedürfnisse unreflektiert in die Begegnung mit Ratsuchenden hineintragen. Grundlegend für die Ethik der Gestalttherapeutischen Seelsorge ist es, anderen Menschen so zu begegnen, dass sie jeweils ihre eigene Entscheidung und den jeweils eigenen Weg finden können. Das erfordert von den SeelsorgerInnen in hohem Maße Arbeit an der eigenen Person. Entsprechend setzen wir in der Weiterbildung von GestaltseelsorgerInnen stets bei deren eigenen Erfahrungen und Bedürfnissen, Lebensvorstellungen und Seelsorgekonzepten an, mit dem Ziel, dass die TeilnehmerInnen im Hinhören auf andere und in Abgrenzung von anderen ihr eigenes Seelsorgeverständnis reflektieren und entwickeln können.

Seelsorge für SeelsorgerInnen 

Wir verstehen unsere Weiterbildungsgruppen immer auch als “Seelsorge für SeelsorgerInnen“, d.h. Seelsorge wird im Vollzug des Gruppenerlebens erfahren und gelernt. Als Kontext kommt dabei auch das jeweilige kirchliche Umfeld mit seinen Organisations- und Leitungsstrukturen, seinen Beziehungsdynamiken, seinen Norm- und Wertsetzungen in den Blick.

Glaube und Theologie 

Wie können biblische Texte und christliche bzw. religiöse Traditionen verantwortlich in die Seelsorge und in die pastorale Arbeit eingebracht werden? Mitunter stehen die eigene religiöse Prägung oder eine primär gedanklich gelernte Theologie einer lebensnahen Vermittlung von Glaubensinhalten im Wege. Es geht in den Weiterbildungsgruppen immer auch um ein Aufarbeiten der eigenen religiösen Biografie und um einen erfahrungsbezogenen und reflektierten Umgang mit biblischen Texten und dogmatischen Traditionen. Die Fähigkeit, christliche Überlieferung als Ausdruck gelebter Erfahrung deuten zu können, stellt eine wichtige Voraussetzung für die Klärung des eigenen Glaubens- und Seelsorgeverständnisses dar.

Zum Verfahren der Gestalttherapeutischen Seelsorge 

Das Verfahren der Gestalttherapeutischen Seelsorge wird durch Konzepte wie Korrespondenz, Figur / Grund, Mehrperspektivität, komplexe Bewusstheit, sozio-ökologische Wahrnehmung, kognitives, emotionales und soziales Lernen, Gesundheit und Kreativität u.a. charakterisiert. Bei dem Verfahren handelt es sich um ein Integrationsmodell, in dem u.a. die Aktive Psychoanalyse Ferenczis, die Gestalttherapie von Perls, das Psychodrama von Moreno sowie kognitive und leibtherapeutische Ansätze zu einem erlebnisaktivierenden Verfahren verbunden werden. Dementsprechend wird mit unterschiedlichen Methoden und Techniken gearbeitet, z.B. mit psychodramatischem Rollenspiel, kreativen Medien, Bibliodrama, Triadenarbeit, Einzel-Lehrtherapie. In der Weiterbildung werden die Bereiche Selbsterfahrung, Theorie und Supervision miteinander verbunden.

2.1. Pastoralpsychologische Weiterbildung in Gestalttherapeutischer Seelsorge 

Je nach Weiterbildungsinstitut finden vor Beginn Zulassungsgespräche bzw. ein Zulassungsseminar statt. Die Weiterbildung ist in eine Grund- und eine Aufbaustufe gegliedert. Bis zu ihrem Abschluss nach der Anwenderstufe umfasst sie 820 Stunden. (Mit „Stunden“ sind in der Folge Unterrichtsstunden von 45 min gemeint. 8 Unterrichtsstunden sind eine Weiterbildungseinheit WE).
Die Grund- und Aufbaustufe erfolgt in einer geschlossenen Weiterbildungsgruppe von ca. 4 - 10 TeilnehmerInnen. Die Stufen müssen nicht zwangsläufig unmittelbar zeitlich nacheinander absolviert werden.

2.1.1. Grundstufe 

Die Grundstufe umfasst 240 Stunden (30 WE. Sie enthält folgende Elemente: 
• Fortlaufende geschlossene Weiterbildungsgruppe (160 Stunden, 20 WE) 
Hier geht es schwerpunktmäßig um Selbsterfahrung in der Gruppe, Kennenlernen und Durcharbeiten eigener Lebensthemen, Gruppendynamik, sowie erstes Kennenlernen des methodischen Repertoires.
• Einzel-Lehrtherapie (mindestens 16 Stunden, 2 WE) 
 Bearbeitung und Vertiefung persönlich-biografischer Themen 
• Zusatzseminar: Das eigene Seelsorgekonzept (32 Stunden, 4 WE) 
• Teilnahme an einem Jahreskongress der DGfP (32 Stunden, 4 WE) 
Mit dem Abschluss der Grundstufe wird eine pastoralpsychologische Basisqualifikation erworben, wie sie von den Kirchen häufig als Voraussetzung für eine Stellenbesetzung im Bereich Seelsorge erwartet wird. Das Weiterbildungsinstitut bescheinigt den Abschluss der Grundstufe. Bei Empfehlung durch die Leitung der Weiterbildungsgruppe ist ein Übergang in die Aufbaustufe möglich.
Nach Abschluss der Grundstufe kann ein Antrag auf außerordentliche Mitgliedschaft in der DGfP gestellt werden. 

2.1.2. Aufbaustufe 

Die Aufbaustufe umfasst 580 Stunden (72,5 WE). 
In der Aufbaustufe werden die eigene Selbsterfahrung, das Durcharbeiten eigener Lebensthemen sowie das Verstehen von Gruppendynamik vertieft. Kenntnisse in Theorie und Methodik werden erweitert und die Arbeit mit Gestaltmethodik im eigenen Arbeitsfeld eingeübt und reflektiert.
Vermittelt werden: 
- theoretische Grundlagen der Gestalttherapie 
- Methodenrepertoire und Interventionstechniken 
- diagnostische Kompetenz 
- Kenntnisse der Psychodynamik 
- theologisch - seelsorgerische Reflexions- und Sprachkompetenz 
Die Aufbaustufe beinhaltet folgende Elemente: 
• fortlaufende geschlossene Weiterbildungsgruppe (320 Stunden, 40 WE) 
• Einzel-Lehrtherapie (48 Stunden, 6 WE) 
• Sonderseminare 
1. Theorie und Methodik der Gestalttherapie (48 Stunden, 6 WE) 
2. Zwei Seminare mit pastoralpsychologischer Thematik (64 Stunden, 8 WE) 
   z.B. Seelsorgekonzept, Gottesbild und Menschenbild, Religiöse Biografie, 
   Pastorale Identität 
• Supervision (40 Stunden, 5 WE) 
 Gestalttherapeutische Supervision der eigenen Berufspraxis in der Gruppe. 
• Selbststudium (60 Stunden, 7,5 WE) 
• Abschlussarbeit Reflexion eines Seelsorgeprozesses. Die Arbeit sollte einen Umfang von 
 ca. 15 Seiten haben. 
Den Abschluss der Weiterbildung bildet ein Kolloquium am jeweiligen Ausbildungsinstitut auf Grundlage der schriftlichen Arbeit. Danach kann der Antrag auf ordentliche Mitgliedschaft in der DGfP bei der Weiterbildungskommission GPP gestellt werden.

2.2. Pastoralpsychologische Weiterbildung in Supervision 

Die Weiterbildung qualifiziert für die Supervision von Einzelnen, Gruppen und Teams in kirchlichen und anderen Arbeitsfeldern. Sie setzt den Abschluss der Weiterbildung in gestalttherapeutischer Seelsorge voraus. Es bedarf einer Empfehlung durch die Leitung der Weiterbildungsgruppe.
Vermittelt werden grundlegende supervisorische Kompetenzen wie gruppenanalytische Kompetenz, diagnostische Kompetenz, systemische Kompetenz, Feldkompetenz, Methodenkompetenz und mehr.
Die Weiterbildung umfasst 590 Stunden und gliedert sich in folgende Elemente: 
• Fortlaufende Weiterbildungsgruppe (180 Stunden, 22,5 WE) 
• Lehrsupervision der eigenen Praxis (90 Stunden, 11,25 WE) 
 Die Gruppensupervison aus der Seelsorge-Aufbaustufe kann hier mit 40 Stunden (5 WE)  angerechnet werden. 
• Theorieseminare (100 Stunden, 12,5 WE) 
 1. Theorie und Methodik der Supervision 
 2. Organisationsberatung 
• Lernsupervision (120 Stunden,15 WE) 
 Eigene supervisorische Praxis als Einzel-, Gruppen- oder Teamsupervsion. 
• Intervision in einer Peergroup (70 Stunden) 
• Selbststudium von Theorie und Praxis der Supervision (30 Stunden) 
• Abschlussarbeit mit Reflexion eines Supervisionsprozesses (ca. 15 Seiten) 
Den Abschluss der Weiterbildung bildet ein Kolloquium mit der Weiterbildungskommission der Sektion GPP auf Grundlage der schriftlichen Arbeit. Mit der Anmeldung zum Kolloquium sind die Arbeit sowie der Nachweis der erforderlichen Weiterbildungsbestandteile bei der Weiterbildungskommission einzureichen. Bei erfolgreichem Abschluss wird der Titel „Supervisor/ Supervisorin DGfP“ verliehen. Die Zertifizierung erfolgt über die DGfP.

2.3. Weiterbildungsleitung 

Voraussetzung für die Ausbildung zum „Weiterbildner / zur Weiterbildnerin GPP“ ist die Anerkennung als „Supervisor / Supervisorin DGfP“ sowie die Empfehlung der Leitung der Weiterbildung Supervision.
In der Stufe Weiterbildungsleitung wird die Qualifikation zur selbständigen Planung und Leitung von Weiterbildungsgruppen in „Gestalttherapeutischer Seelsorge und Supervision“ erworben.
Die Weiterbildung hat einen Umfang von 596 Stunden. 
Sie umfasst folgende Elemente: 
• CO- Leitung von zwei Weiterbildungsgruppen (mind. 320 Stunden, 40 WE) 
 Es muss sich um jeweils abgeschlossene Prozesse in der Seelsorge-Grundstufe, der Seelsorge-Aufbaustufe oder der Weiterbildung Supervision handeln.
• Supervision dieser Co-Leitungen (100 Stunden, 12,5 EW) 
 Diese Supervision findet in der Regel durch die Weiterbildungsleitung im Rahmen des  Kurses statt. 
• Eigene Leitung von Seminaren zu pastoralpsychologisch relevanten Themen  (72 Stunden, 8 WE) 
• Begleitsupervision der eigenen Weiterbildungsarbeit (24 Stunden, 3 WE) 
• Weiterbildungstraining in einer geschlossenen Weiterbildungsgruppe (80 Stunden, 10 WE) 
Die Anerkennung als WeiterbildnerIn erfolgt auf Empfehlung der BegleitsupervisorIn. Es findet ein Kolloquium mit der Weiterbildungskommission statt. Die Weiterbildung wird mit der Graduierung „Weiterbildnerin / Weiterbildner GPP“ abgeschlossen. Die Zertifizierung erfolgt über die Sektion GPP.

2.4. LehrsupervisorIn (GPP) 

Wenn eine mindestens dreijährige Praxis als WeiterbildnerIn vorliegt, kann die Ernennung zur „LehrsupervisorIn GPP“ erfolgen. Die Zertifizierung erfolgt durch die DGfP. Ein Merkblatt über die Voraussetzungen zur Anerkennung kann von der Weiterbildungskommission der Sektion GPP angefordert werden.

3. Qualitätssicherung 

Alle ordentlichen Mitglieder der Sektion sind zur kontinuierlichen Fortbildung und zur Reflexion der eigenen pastoralpsychologischen Arbeit verpflichtet. Nach der Anerkennung als „Supervisor / Supervisorin DGfP“ wird der Nachweis supervisionsrelevanter Fortbildungen erwartet. Als solche gelten auch die Jahreskongresse der DGfP und Sektionstagungen.
Die Standards werden spätestens nach sieben Jahren einer Prüfung unterzogen. 

 

 

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